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Der Flirt im Alter

11. Mai 2012

Meine Eltern hatten zum Glück doch einen sehr schönen Urlaub und sahen auch dementsprechend erholt aus. Die beiden waren auf Mallorca in einem kleinen Fischerdorf namens Port Andratx, wo sich offenbar überwiegend Rentner oder Unternehmer aufhalten, also jeweils Leute, die viel Zeit und viel Geld haben. Meine Eltern haben da in einem Restaurant einen Schotten kennengelernt, Andrew hieß er, wenn ich mich recht entsinne, und hat meine Eltern auf eine Bootstour eingeladen. Er hatte wohl eine kleine Yacht dort im Hafen liegen und ist mit den beiden raus aufs Meer gefahren. Mein Vater hat sich während der Erzählung ein bisschen empört, dass Andrew es auf meine Mutter abgesehen hätte, aber ich hab schon gemerkt, dass er ihr damit schmeicheln wollte und tatsächlich ist meine Mutter rot geworden und hat gekichert, wie ein Schulmädchen. Da kann man mal sehen, auch im Alter bleiben Flirts nicht aus, was für eine gute Aussicht…

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Eltern kehren heim

2. Mai 2012

Heute muss ich meine Eltern vom Flughafen abholen. Die beiden haben sich für zwei Wochen in Spanien aufgehalten, hatten allerdings mit ziemlich schlechtem Wetter zu tun, so wie ich das verstanden habe und jetzt bin ich mal gespannt, ob sie erholt oder doch eher unzufrieden sind. Meinem Vater kann das eigentlich nichts anhaben, aber meine Mutter ist da schon ein bisschen schneller unzufrieden und ich hoffe jetzt natürlich, dass es sich für die beiden doch gelohnt hat, weil die zwei auch immer eine Ecke lang auf ihren Urlaub sparen und einige Abstriche dafür machen müssen. Ich bin jedenfalls gespannt und gehe heute Abend mit den beiden noch essen. Wenn ich Glück habe, kommt Hendrik auch noch dazu, das hängt wieder mal von seinen Schichten ab, die ja leider so unseren Alltag dominieren. Ich hoffe natürlich inbrünstig, dass das irgendwann mal ein Ende hat, aber wie das geschehen soll, noch fraglich!

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Fremde Kollektion

7. April 2012

Gestern habe ich mir doch tatsächlich seit langer, langer Zeit mal wieder ein Kleid gekauft, anstatt eines selbst zu nähen. Zuerst war meine Intention, das zur Silberhochzeit von Hendriks Eltern zu tragen, aber bei dem hochcharätigen Publikum, was da auflaufen wird, scheint es mir natürlich doch schlauer, eine Stück aus meiner eigenen kleinen Kollektion zu tragen und die kann sich schließlich sehen lassen. Den beruflichen und damit einhergehenden gesellschaftlichen Status von Hendriks Vater habe ich ja erwähnt und so wird natürlich auch die Gästeschar aussehen; da kommen nicht nur die Freunde und Kollegen der deutschen Firma, sondern auch einige scheinbar hohe Leute aus den USA und es kann ja nicht schaden, hier und da mal auf einen Plausch mit meinem feinen Zwirn zu glänzen. Wer weiß, vielleicht expandiere ich ja doch noch eines Tages? Und vielleicht schon eher, als gedacht? Nein, natürlich Spaß, aber man kann ja einfach mal gucken…

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Jubiläum

1. April 2012

Tja und da ja auch lange niemand mehr Geburtstag hatte, feiern wir nun ein Jubiläum, muss ja auch mal sein. Hendriks Eltern feiern nämlich ihre silberne Hochzeit und fahren so richtig auf. Hendriks Vater, mittlerweile im Ruhestand, war jahrelang Vorstandsvorsitzender eines amerikanischen Pharmaunternehmens, dessen Tochterfirma er in Deutschland mehr oder weniger unter seinen Händen hatte und seinem ehemaligen beruflichen Status wird er auch jetzt als Pensionär noch ganz und gar gerecht. Ich mag Hendriks Vater sehr, denn trotz aller Autorität und Führungskraft, die er immer noch ausstrahlt, ist er dennoch ein Mann mit Schneid, wie wiederum meine Mutter sagen würde. Ich habe ihn immer als liebenswert und loyal uns allen gegenüber erlebt, auch gegenüber Hendriks Bruder, der so gar nicht in die familiären Fußstapfen treten wollte, sondern noch heute einem Vagabundenleben frönt. Und auch mir gegenüber, als freischaffende Künstlerin, wie er es bezeichnet. Ich freue mich jedenfalls sehr auf ihn.

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Der Alltag hat uns wieder

8. März 2012

Nach unserer erholsamen gemeinsamen Zeit rollt nun so langsam wieder der Alltag über uns hinweg, aber nichtsdestotrotz sind Hendrik und ich immer noch energiegeladen und zehren von der schönen Zeit, die wir gemeinsam hatten. So lassen sich die vielen Tage und auch Nächte, an denen wir zwangsläufig aneinander vorbei arbeiten und demzufolge auch leben müssen, doch um einiges besser verkraften. Und sollte es mit dem Pitch gut für mich ausgehen, so dass ich den Deal mit dem Label mache, dann werde ich zwar noch einmal ordentlich ranklotzen müssen, aber habe dann auch auf lange Sicht ein bisschen mehr Luft, weil ich mich weniger um die kleinen Dinge kümmern muss, derer ich mich nach wie vor annehme. Zuerst dachte ich, ich sollte vielleicht auch kleinere Aufträge bereits ablehnen, aber ich will es mir auch mit weniger betuchten Kunden und Stammkunden nicht verscherzen, sondern möglichst allen gerecht werden. Und irgendwie gelingt das.

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Irland

1. März 2012

Hendrik und ich haben kurzerhand einen Flug nach Dublin gebucht und uns dort in aller Gemütlichkeit in das kalte, graue Regenwetter begeben. Wenngleich unsere Tendenz zuerst in südliche Gefilde ging, wir aber schon in so manchen Südländer geurlaubt haben, haben wir uns dann doch kurzerhand für Irland entschieden. Von Dublin Airport sind wir dann nach Dollymount, wo wir eine gute Woche verbracht haben und es uns dort an der Küste haben gut gehen lassen. Das Wetter war wie gesagt eine Katastrophe, aber da wir zwei zu der seltenen und vermutlich auch seltenen Spezies gehören, die auch gerne bei Sturm und Regen draußen unterwegs sind, war das also kein Problem. Ganz im Gegenteil, wir haben die rauen Böen und rauschenden Wellen genossen und so lange Spaziergänge gemacht, wie im ganzen Jahr zuvor nicht. Die übrige Urlaubszeit haben wir dann gemeinsam zu Hause verbracht, mit ausgestecktem Telefon und allen den anderen Annehmlichkeiten…

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Wieder eine WOhltat

8. Februar 2012

Die Zeit bei meinen Eltern war richtig schön und wohltuend wie immer. Leider muss immer ein ganzes Stück Zeit vergehen, bis ich mal wieder in den Genuss komme, bis ich mir überhaupt mal wieder richtig bewusst mache, wie wichtig diese Auszeiten sind. Nicht nur für meine Eltern, die sich dann natürlich auch endlich mal wieder gebraucht und wahrgenommen fühlen, sondern auch für mich. Und es ist auch unglaublich schön, dass ich auch mit 30 zu Hause noch Kind sein darf. Dass ich mal die Arbeit hinter mir lassen und das Fernsehprogramm vor mir liegen haben darf. Dass meine Mutter kocht, was ich gerne esse oder dass wir am Nachmittag gemeinsam Kaffee trinken. Diese routinierten Abläufe haben etwas so schön tröstliches, so fern von aller Hektik und Verantwortung. Noch einmal eintauchen in unseren alten Kosmos, sich mal aller Pflichten entledigen und andere für einen da sein lassen, wo geht das noch?

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Elternzeit

1. Februar 2012

Es war an der Zeit endlich mal wieder meine Eltern zu besuchen, die mittlerweile vermutlich schon glauben, dass sie niemals Kinder zur Welt gebracht haben… Die Armen sind so geduldig und beschweren sich nie, wenn sie lange nichts von Annika oder mir hören, weil sie natürlich immer sagen, dass unsere Arbeit und unser Privatleben Vorrang haben, aber natürlich weiß ich, dass sie auf Dauer traurig und auch gekränkt sind, wenn da wieder lange nichts kommt. Besonders Annika ist da wenig feinfühlig und so unabhängig und abenteuerlustig, wie sie halt so ist, ist sie auch immer mit anderen Dingen beschäftigt. Zum Beispiel welchen Kontinent sie in den nächsten Sommerferien bereist oder welche Sportart sie neu für sich entdecken soll. Das ist natürlich ein Vorteil am Lehrerinnendasein; es gibt viel Geld und vor allem viel Freizeit. Lange Ferien, Feiertage, ganz besonders im katholischen Bayern, und natürlich auch frühen Feierabend. Die hat´s gut!

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Reisepläne

8. Januar 2012

Heute Abend wollen Hendrik und ich uns mal mit den zukünftigen Reiseplänen auseinandersetzen, denn der Urlaub lässt jetzt nicht mehr lange auf sich warten. Aber da wir uns schon vor einiger Zeit der Kosten und des Überraschungseffekts wegen entschieden haben, Last Minute irgendwohin zu reisen, haben wir uns bis dato noch nicht weiter drum gekümmert. Außerdem kommt morgen John, Hendriks Freund, der mit ihm gemeinsam hier Medizin studiert hat und danach aber wieder nach Kanada zurückgekehrt ist und dort vor Kurzem seine Sandkastenliebe geheiratet hat. Das heißt, da gibt es auch noch ein bisschen was vorzubereiten. Die beiden, also Hendrik und John, nehmen nämlich in den nächsten Tagen an einem Kongress teil. John hat zwar ein Hotel gebucht, wird aber um der alten Zeiten Willen die erste Nacht bei uns verbringen, weil er und Hendrik sich ewig nicht gesehen und natürlich eine Menge zu erzählen haben. Ich bin sehr gespannt.

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Voting für Nachwuchsdesigner

4. Januar 2012

Ich kann es kaum glauben und bin immer noch oder vielmehr immer wieder total aufgeregt, wenn ich nur daran denke! Einige meiner Kundinnen haben an einem Voting für Nachwuchsdesigner teilgenommen, welches wiederum dazu geführt hat, dass ich, neben zwei weiteren Desigern aus anderen Städten, an einem Auftrag arbeiten werden, der wiederum darüber entscheiden wird, wer eine Kollektion mit einem renommierten Label designt und entwirft. Ein richtiger Pitch also! Das Ganze wird zwar erst in einigen Monaten ins Rollen kommen, weil es zuvor seitens des Labels noch viele Erledigungen zu bewerkstelligen gilt, aber immerhin, der Stein kommt überhaupt ins Rollen! Das wäre wirklich ein absoluter Traum, wenn ich diese Sache für mich gewinnen könnte und mich und meinen Namen auf Dauer etablieren würde. Hendrik hat mich jedenfalls vorab schon mal gebührend gefeiert und wir haben einen wunderschönen Abend mit Austern und Champagner verbracht, das hat er tatsächlich alles für mich besorgt!

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